Kreditgebühren unter der mathematischen Lupe

Banken erheben für Kredite verschiedene Arten von Gebühren. Warum und wieso -  dazu gibt es unterschiedliche Theorien. Unsere mathematischen Ökonomen haben diese Theorien untersucht und ein neues Modell zur Berechnung der tatsächlichen Gesamtkosten von Krediten erstellt. 

Lupe mit Geld

Dass Kredite eine hoch komplizierte Angelegenheit sind, lassen schon die buchdicken Verträge vermuten. Aber was steckt eigentlich wirklich hinter den diversen Gebühren, die Kreditnehmer zahlen müssen? Viele Ökonomen vermuten, dass Banken mit diesen Gebühren nicht nur Geld verdienen wollen, sondern auch das Verhalten ihrer Kunden beeinflussen möchten.

Wird ein Kredit nicht von einer Bank an eine Einzelperson vergeben, sondern von einem Zusammenschluss mehrerer Banken gemeinsam an ein Unternehmen, verkompliziert sich auch die Gebührenregelung noch einmal drastisch. Die meisten dieser sogenannten "Konsortialanleihen" enthalten gleich eine ganze Reihe unterschiedlicher Gebühren, die sich je nach Kredit anders zusammensetzen. Wissenschaftler nehmen an, dass die Geldverleiher damit zwei Ziele verfolgen: Zum einen soll der Preis des Kredites gesteuert werden, um die Wahrscheinlichkeit der Inanspruchnahme zu beeinflussen. Zum anderen gewinnen die Banken durch die Gebühren Informationen über die potentiellen Kreditnehmer, indem sie berechnen wie wahrscheinlich es ist, dass Firmen bestimmte Optionen ihres Kreditvertrages auch tatsächlich ausnutzen. So weit die Theorie.

Tobias Berg vom Hausdorff Center hat zusammen mit Kollegen aus Berlin und New York mathematisch untersucht, ob diese beiden Thesen über die Hintergründe von Kreditgebühren zutreffen oder nicht. Dazu hat das Team alle Konsortialanleihen in den USA von 1986 bis 2011 analysiert. Für jeden Kredit notierten die Forscher das Kreditvolumen und alle Optionen, die ein Vertrag enthielt, zusammen mit den dafür jeweils erhobenen Gebühren. Außerdem hielten sie fest, ob der genehmigte Betrag ausgeschöpft wurde und recherchierten wie es um die Kreditwürdigkeit der Unternehmen bestellt war. Alle so erhobenen Daten werteten sie mit Hilfe von speziellen Computerprogrammen statistisch aus. So konnten sie berechnen, ob die einzelnen Parameter einander beeinflussen und wenn ja, wie stark.

Die Ergebnisse waren eindeutig. Gebühren sind in der Tat ein gutes Instrument, um potentielle Kreditnehmer vorab einzuschätzen. So werden Firmen, die einen Kreditvertrag mit niedrigen Zinsen, dafür aber mit hohen Gebühren abschließen, mit hoher Wahrscheinlichkeit auch tatsächlich den gesamten Betrag in Anspruch nehmen. "Unternehmen, die lieber auf hohe Zinsen und niedrige Gebühren setzen, beanspruchen dagegen auch nur sehr selten das volle Kreditvolumen", fasst Tobias Berg die Analysen zusammen. Dagegen konnten die Wissenschaftler zeigen, dass Gebühren weniger dazu dienen den Preis des Kredites zu beeinflussen als die damit für die Banken verbundenen Risiken auszugleichen. So verlieren Banken zum Beispiel Geld in Form von Zinsen, wenn der Kreditnehmer von einer Klausel Gebrauch macht, die ihm eine vorzeitige Rückzahlung ermöglicht. Daher müssen Unternehmen, bei denen eine hohe Unsicherheit für ihre zukünftige Entwicklung besteht, auch höhere Vertragsgebühren für die Möglichkeit einer frühzeitigen Rückzahlung oder einer Nichtinanspruchnahme des Kredites in Kauf nehmen - bei ihnen ist es nämlich wahrscheinlicher, dass sie den zugesagten Betrag doch nicht benötigen oder früher zurückzahlen werden und die Bank so weniger verdient.

Aber die Arbeit der mathematischen Ökonomen ging noch weiter. Auf Basis ihrer Berechnungen identifizierten sie die Kriterien, die den größten Einfluss auf die echten Gesamtkosten eines Kredites haben. Diese Kriterien speisten sie in ein neues Modell ein, mit dessen Hilfe es nun möglich ist, diese tatsächlichen Kosten für jeden Kredit individuell zu berechnen. Nun hoffen die Wissenschaftler, dass ihre Forschungen zu mehr Transparenz im Kreditdschungel beitragen werden.

Originalartikel

TOBIAS BERG, ANTHONY SAUNDERS, SASCHA STEFFEN (2015): The Total Cost of Corporate Borrowing in the Loan Market: Don't Ignore the Fees. The Journal of Finance, DOI: 10.1111/jofi.12281.